Assistenzsystem zur Vermeidung von Unfällen im toten Winkel von LKW

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Seitdem die E-Scooter unseren Straßenverkehr „bereichern“ hat das alte Thema bei den Speditionen wieder Hochkonjunktur: Unfälle beim Rechtsabbiegen mit dem LKW. Der tote Winkel birgt von jeher die große Gefahr, dass der LKW-Fahrer einen „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer übersieht.

Neu auf den Markt kam jetzt ein Abbiege-Assistenzsystem mit vier Ultraschallsensoren. Dieses System, entwickelt von der Brigade Elektronik GmbH in Zusammenarbeit mit der Wüllhorst GmbH & Co. KG, erfasst kritische Gefahrenbereiche und tote Winkel und meldet Hindernisse mithilfe eines dreistufigen akustischen und optischen Warnsystems.

Auch mit optimal eingestellten Spiegeln oder Nutzung moderner Kameratechnik bleibt das Gefahrenpotential des Rechtsabbiegens mit dem LKW bestehen. Spiegel und Kamera sind letztlich passive Systeme. D.h. der LKW-Fahrer muss den Fahrweg in jedem Fall aktiv kontrollieren, um möglichst sicherzustellen, dass keine Gefahr beim Abbiegen besteht. Einen zusätzlichen sicherheitsgewinn würde da ein aktives System bieten, welches in einem unachtsamen Moment des Fahrers eingreift und durch ein Signal auf die Gefahr hinweist.

Speditionen sehen erhöhte Verkehrssicherheit durch aktive Warnung

In umfangreichen Tests hat Wüllhorst die passenden Sensorpositionen ermittelt. Die vier Ultraschallsensoren werden ab der Führerhausecke in gleichmäßigen Abständen so angebracht, dass ein Überwachungsbereich von 6 Metern erreicht wird. In Kombination mit Spiegeln und/oder Kameras kann der kritische Bereich auf diese Weise optimal kontrolliert werden.

„Das System ist eine optimale Ergänzung für jedes Kamera-Monitor-System“, erläutert John Osmant, Managing Director bei der Brigade Elektronik GmbH. „Die Sensoren sammeln kontinuierlich Informationen und warnen den LKW-Fahrer mithilfe eines dreistufigen akustischen und optischen Anzeigesystems.“ Das System wird über einen Lenkwinkelimpuls automatisch aktiviert. Einmal aktiv liefert es dem Fahrer im Risikofall akustische und optische Signale. Mithilfe einer farblichen Markierung im Display wird dem Fahrer zudem die Distanz zum Hindernis angezeigt.

Einfache Nachrüstung und gute Bedienbarkeit können überzeugen

Das akustisch/optische Assistenzsystem kann problemlos nachgerüstet werden. Der politischen Forderung, dass auch ältere LKW mit Abbiegeassistenten auszustatten sind, kann somit Rechnung getragen werden. „Natürlich erfordert ein solches System auch eine gewisse Umstellung für viele Fahrer“, fasst Osmant zusammen. „Trotzdem haben wir besonders positive Rückmeldung aus der Fahrpraxis zur Übersichtlichkeit des Systems erhalten und dass die Fahrer sich schnell mit dem Abbiegeassistenten zurechtgefunden haben.“

Spediteure hoffen auf die Praxistauglichkeit des Assistenzsystems

Simon Wiesholler, Geschäftsführer der SPEWIE Spedition Wiesholler GmbH aus Holzkirchen bei München, begrüßt diesen technischen Fortschritt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die Nachrüstbarkeit ist für ihn als besonderer Pluspunkt zu werten. Nur so sei die Forderung nach Abbiegeassistenten in der Breite umsetzbar.

Es muss sich jedoch erst noch zeigen, ob die jetzt am Markt befindlichen Systeme praxistauglich sind. Systeme auf die man sich nicht 100% verlassen kann oder solche, die gelegentliche Fehlalarme auslösen wären kontraproduktiv. Die im Stadtverkehr ohnedies schon hochbelasteten Fahrer würden durch unzuverlässige Systeme mehr abgelenkt als unterstützt. Solche Systeme kämen für Wiesholler deshalb nicht in Frage.

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