Coronavirus verteuert die Dienstleistungen der Speditionen

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Die internationalen Lieferketten sind zunehmend negativ von den Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Diesen Hinweis gibt aktuell der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV).

Die infolge der zuletzt steigenden Infektionszahlen in einigen Regionen Chinas restriktiven Anordnungen der Behörden führen demnach zu verlangsamten Zollabfertigungen und deutlichen Lieferverzögerungen. Verschärft werde die Situation noch durch den Rückstau bei den Transporten, der infolge des chinesischen Neujahrsfestes ohnehin entstanden sei. Betroffen hiervon sind laut DSLV vor allem die See- und Luftfracht, über Einschränkungen des Landverkehrs auf dem Schienen- und Straßenweg gebe es derzeit wenig einheitliche Informationen.

Mehr als die Hälfte des verfügbaren Frachtraums fällt weg

Die aktuelle Streichung sämtlicher Passagierflüge der Lufthansa und weiterer Airlines nach China würden den verfügbaren Frachtraum um mehr als 50% verknappen, da hierdurch die Bellykapazitäten (Fracht im Passagierflugzeug) wegfallen. Nach Verbandsangaben können deutsche Spediteure derzeit die Einschränkungen durch Umbuchungen und Neudispositionen der Luftfracht noch teilweise ausgleichen, allerdings zu höheren Frachtkosten für den Verlader.

Zur rechtlichen Beurteilung entstandener Zusatzkosten stellt der DSLV klar: Die Coronavirus-Epidemie fällt unter höhere Gewalt. Sofern die Spedition zur ordnungsgemäßen Ausführung ihrer Vertragspflichten entstehende, zusätzliche Aufwendungen nicht vermeiden kann, sind diese von ihrem Auftraggeber zu tragen. Der Verband verweist dafür auf die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp). Vor allem im Seeschiffsverkehr anfallende so genannte Detention-, Demurrage- und Storage-Charges, also Kosten für die Verzögerung der Seefracht, müsse der Spediteur seinen Kunden weiterberechnen.

Deutsche Speditionen müssen flexibel sein

„Durch die Kapazitätsbeschränkungen steigen die Raten in der See- und Luftfracht derzeit, so dass die verladende Wirtschaft mengen- und destinationsabhängig mit Zusatzkosten für den Warenverkehr rechnen muss“, schätzt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster die Lage ein. „Unsicherheiten bestehen vor allem durch die kurzfristigen Anordnungen der chinesischen Behörden, die in weiteren regionalen Produktionsstopps und schließlich in einer andauernden Exportschwäche Chinas münden können. Hier müssen deutsche Logistikdienstleister punktuell sehr flexibel sein. Am Ende steht aber auch die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter vor Ort im Vordergrund.“

Spedition SPEWIE befürchtet weitere Zuspitzung

Simon Wiesholler, Geschäftsführer der SPEWIE Spedition Wiesholler GmbH aus Holzkirchen bei München, kritisiert die Zurückhaltung der deutschen Medien im Zusammenhang mit der Berichterstattung zum Coronavirus. China ist im Bereich der Zulieferindustrie von ausgesprochen großer Bedeutung für die europäische und deutsche Wirtschaft. Die bereits massiven wirtschaftlichen Einbrüche bei den chinesischen Produktionsbetrieben seien offensichtlich und dies werde nicht ohne schwerwiegende Auswirkungen auf unsere heimische Auftragslage bleiben, so Wiesholler. Die Speditions- und Transportbranche sei gut beraten, sich für die nächsten Monate auf sinkende Umsätze einzustellen.

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