Ist der LKW-Gas-Antrieb wirklich eine saubere Alternative für Speditionen?

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Was hat das an die Speditionen gerichtete Förderprogramm bewirkt?

In 2018 wurde von der Bundesregierung ein Förderprogramm aufgelegt, um den Speditionen die Anschaffung emissionsarmer und somit umweltschonender LKW schmackhaft zu machen. Insbesondere wurden die Spediteure motiviert, Fahrzeuge mit Gasmotoren anzuschaffen. Die „Erfolgsbilanz“ sieht folgendermaßen aus: Es wurden 1.390 Förderanträge bewilligt, davon beziehen sich 994 Fälle auf einen LNG-Antrieb. LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, gemeint ist damit ein verflüssigtes, aufbereitetes Erdgas, welches nur noch ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas einnimmt. Weitere 339 Förderungen betreffen LKW mit CNG-Antrieb („Compressed Natural Gas“) und nur 57 geförderte LKW fahren mit Elektromotor.

Die E-Laster haben einen schlechten Stand bei den Spediteuren, weil deren schwere Batterien einen wesentlichen Teil der Nutzlast kosten. Trotz der Förderung bringt die Wirtschaftlichkeitsrechnung ein sehr mageres Ergebnis zutage, was die Spedition von der Investition in den allermeisten Fällen abbringt. Bliebe noch der Wasserstoff als Antriebsquelle, wobei hier die technische Reife noch zu wünschen lässt und das Thema somit noch einige Zeit braucht.

Rechnet sich die Investition in den LNG-Antrieb für eine Spedition auch langfristig?

Eine Spedition, die trotz dieser noch nicht optimalen Rahmenbedingungen auf LNG-Gas setzt, ist die Ilo Logistics mit Sitz in Nürnberg. Hier hat die Geschäftsführung beschlossen, keine Diesel-LKW mehr zu kaufen. Man spekuliert darauf, dass die herkömmlichen Diesel-LKW in absehbarer Zeit mit Umweltabgaben belegt werden, die den Betrieb dieser Fahrzeugtechnik entsprechend verteuert.

Nur unter diesem Gesichtspunkt scheinen sich die Gas-getriebenen LKW jemals rechnen zu können. In der Anschaffung sind Sie derzeit in etwa 50 Prozent teurer als die klassische Diesel-Alternative. Selbst die staatliche Förderung gleicht diese Mehrkosten längst nicht aus. Zudem gibt es heute noch keine Langzeitstudien, welche die Lebensdauer von Gas-Motoren untersucht haben. Der zu erwartende Wertverlust bei LKW mit LNG-Antrieb ist somit mit viel Spekulation verbunden.

Der Umweltverband T&E zieht eine ernüchternde Bilanz

Wenn schon die Wirtschaftlichkeit nicht überzeugen kann, stimmt dann wenigstens die Umweltbilanz der LNG-LKW? Auch dies ist sehr umstritten. Jüngst hat der Umweltverband Transport & Environment (T&E) eine Studie herausgebracht, gemäß der die LNG-LKW sechs Mal so viel Schadstoffe in die Luft blasen wie moderne Diesel-Trucks. Zu nennen sind hier vor allem Stickoxide und Feinstaub. Für LNG scheint einzig der geringere CO2-Austoß zu sprechen, was wiederum in einer Gesamtbilanz viel zu wenig ist. Der Verband T&E fordert deshalb, die aus seiner Sicht sinnlose staatliche Förderung zu streichen.

Spedition SPEWIE setzt weiterhin auf moderne Dieseltechnologie

Simon Wiesholler, Geschäftsführer der SPEWIE Spedition Wiesholler GmbH aus Holzkirchen bei München, begrüßt den Wettbewerb um die beste Antriebstechnologie im Transportwesen auf der Straße. Einer staatlichen Förderung, die vor allem dem Zeitgeist folgt, steht er dagegen sehr skeptisch gegenüber. Nach seiner Aussage müssen nach wie vor Wirtschaftlichkeit und gelebter Umweltschutz ausschlaggebend für jede Investitionsentscheidung im Fahrzeugbereich sein. Die Spedition SPEWIE setzt weiterhin auf moderne Dieseltechnologie und behält zugleich die Weiterentwicklung des Wasserstoff/Brennstoffzellen-Antriebs im Auge. Wiesholler sieht sich so mittel- und langfristig gut aufgestellt.

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